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AORTENANEURYSMA

Definition

Beim Aortenaneurysma handelt es sich um eine Aussackung der Brust- oder Bauchschlagader, die platzen und zur tödlichen inneren Blutung führen kann.

Ursachen

Die Entstehung eines Aortenaneurysmas wird von mehreren Faktoren begünstigt. In den meisten Fällen besteht eine Verkalkung der Gefäßwand. Neben erblichen Faktoren sind dafür wiederum erhöhte Cholesterinwerte, langjähriger Nikotinmissbrauch und ein erhöhter Blutdruck verantwortlich. Letzterer fördert auch die zunehmende Ausdehnung des Aneurysmas. In seltenen Fällen kommen Risse in der Gefäßinnenschicht (Aneurysma dissecans), Infektionen der Hauptschlagader (mykotisches Aneurysma), eine angeborene Schwäche der Gefäßwand oder auch eine Verletzung der Aortenwand bei einem oft lange zurückliegenden  Unfall als Auslöser eines Aneurysmas in Betracht.

Merkmale, Verlauf

Die häufigste Form des Aortenaneurysmas ist das Bauchaortenaneurysma. Erweiterungen der Bauchschlagader werden in den meisten Fällen zufällig im Rahmen einer Gesundenuntersuchung oder im Zusammenhang mit der Abklärung anderer Erkrankungen entdeckt. Die Notwendigkeit, eine Aussackung der Hauptschlagader zu behandeln besteht ab einem kritischen Durchmesser von 5,2 Zentimeter bei Frauen und 5,5 Zentimeter bei Männern sowie bei einer Zunahme des Durchmessers ab 1 Zentimeter pro Jahr. Statistisch gesehen platzen Bauchaortenaneurysmen bei einem Durchmesser von über 5 Zentimetern in bis zu 40 Prozent der Fälle innerhalb von 2 Jahren.

Symptome, Komplikationen

Begleiterscheinungen von Aortenaneurysmen ergeben sich durch mechanischen Druck auf umgebende Strukturen. Rasch wachsende Aneurysmen oder solche die kurz vor dem Platzen stehen können Bauch-, Rücken- oder Flankenschmerzen verursachen. Erweiterungen der Brustschlagader verursachen hauptsächlich Rückenschmerzen, gelegentlich auch Heiserkeit, Atemnot oder Schluckbeschwerden. In Aneurysmasäcken können Blutgerinnsel entstehen, die sich manchmal lösen und Verschlüsse von nachfolgenden kleineren Schlagadern verursachen. Die schwerwiegendste Komplikation ist das Platzen des Aneurysmas. Dieser Notfall wird von weniger als einem Viertel der betroffenen Patienten überlebt.

Diagnostik

Die Erstdiagnose eines Bauchaortenaneurysmas erfolgt in über 80 % der Fälle zufällig im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung. Wenn keine Behandlungsnotwendigkeit besteht, können die Verlaufskontrollen anfangs halbjährlich, bei stabilem Verlauf dann jährlich ebenfalls mittels Ultraschall erfolgen. Wenn die Bauchschlagader im Ultraschall nicht ausreichend beurteilbar ist, bei Aussackungen der Brustschlagader sowie zur Operationsplanung wird eine Computertomographie durchgeführt.

Behandlung

Solange keine Notwendigkeit zur Operation besteht, ist auf eine gute Blutdruckeinstellung, eine Normalisierung des Cholesterinspiegels sowie auf die Einnahme einer leichten Blutverdünnung zu achten. Der Nikotinmissbrauch sollte beendet werden. Da das Platzen eines Aneurysmas in den meisten Fällen nicht überlebt wird, sollte bei Erreichen des kritischen Durchmessers ein operatives Vorgehen in Betracht gezogen werden. Im Einzelfall müssen hier das Risiko einer Operation bei meist älteren, häufig herz- und lungenkranken Patienten gegen das Risiko nicht zu operieren und das mögliche Platzen des Aneurysmas in Kauf zu nehmen abgewogen werden. Als Behandlungsmöglichkeiten stehen die offene Operation mit Eröffnen der Bauch- bzw. Brusthöhle ('konventionelle' Aneurysmaausschaltung) oder das Einsetzen einer Gefäßprothese über die Leiste (‚interventionelle’ oder ‚endovaskuläre’ Aneurysmaausschaltung) zur Verfügung. Bei der offenen Operation wird der Bereich des Aneurysmas durch eine Kunststoffprothese ersetzt. Die endovaskuläre Behandlung wurde im Laufe der letzten Jahre entwickelt. Sie kommt ohne grosse Operation aus und stellt damit eine wesentlich geringere Belastung für den Patienten dar. Die Gefäßprothese wird über die Leistenschlagader eingeführt, kleidet das Aneurysma von innen aus und stabilisiert dieses. Allerdings kommt nicht jeder Patient und auch nicht jedes Aneurysma für diese Behandlungsmethode in Frage. Ob die Langzeitergebnisse mit denen der offenen Operation vergleichbar sind, wird derzeit noch in klinischen Studien untersucht. Auf jeden Fall ermöglicht diese Methode in vielen Fällen die Behandlung von Patienten, denen aufgrund anderer Erkrankungen eine große Bauchoperation nicht zugemutet werden könnte.

Nachbehandlung

Nach einer offenen Operation eines Bauchaortenaneurysmas wird der Patient bei komplikationslosem Verlauf nach 10 bis 14 Tagen nach Hause entlassen. Verlaufskontrollen mittels Ultraschall und Durchblutungsmessung erfolgen nach 3 und 6 Monaten, danach jährlich. Nach interventioneller Behandlung können die Patienten das Krankenhaus meist schon nach 5 bis 7 Tagen verlassen. Die Nachkontrollen schließen hier computertomographische Untersuchungen nach 3 und 6 Monaten, danach jährlich, ein.

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